Wissenschaftliche Evaluation der endokrinologischen Nachsorgeempfehlungen nach onkologischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter – ein Kooperationsprojekt von APE und GPOH

Hintergrund

Neue Behandlungsstrategien haben die mittleren Fünfjahres-Überlebensraten von Patienten mit Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter im Verlauf der letzten dreißig Jahre signifikant verbessert. Diese Therapien sind jedoch mit einem deutlichen Risiko für kurz- und langfristige therapiebedingte Morbidität assoziiert. Endokrine Störungen werden im Verlauf der Nachsorge bei 20 bis 50% der Überlebenden einer Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter dokumentiert. Damit gehören Hormonstörungen zu den häufigsten Spätfolgen nach antineoplastischer Therapie.
Die Manifestation und Ausprägung endokriner Spätfolgen ist mit der jeweiligen Grunderkrankung und ihrer Lokalisation assoziiert und hängt darüberhinaus entscheidend von den jeweils eingesetzten Therapiemodalitäten (Radiatio, Chemotherapie, Chirurgie) ab. Die möglichen Spätfolgen können jeden Bereich des endokrinen Systems betreffen und umfassen bei pädiatrischen Patienten v.a. Störungen der hypothalamo-hypophysären Funktion, Gonadendysfunktion, Störungen der Schilddrüsenfunktion, Adipositas und Osteoporose. Aktuelle Studien zur Langzeitnachsorge von Krebsüberlebenden zeigen für die kumulativen Inzidenzen von Hormonstörungen über einen Zeitraum von dreißig Jahren keine Plateaubildung. Es ist somit davon auszugehen, dass endokrinologische Folgen die Gesundheit und langfristige Lebensqualität nicht nur während besonders sensibler Phasen von Wachstum und Entwicklung schwer beeinträchtigen (z.B. die Körperhöhe, Pubertätsentwicklung), sondern diese im Verlauf des gesamten Lebens entscheidend einschränken können. Es besteht somit ein Bedarf für evidenzbasierte, praxisorientierte Empfehlungen für die kurz-, mittel- und langfristige onkologisch-endokrinologische Nachsorge.  


Projektbeschreibung

Durch den systematischen Vergleich aller für die Therapieprotokolle der GPOH vorhandenen endokrinologischen Nach-sorgeempfehlungen mit internationalen, evidenzbasierten Nachsorgeleitlinien wurde der vorhandene Harmonisierungsbedarf endokrinologischer Nachsorgeempfehlungen detailliert beschrieben. Aufbauend auf den Ergebnissen dieser Analyse wurde nun mit der Entwicklung gemeinsamen Leitlinie von APE und GPOH zur endokrinologischen Nachsorge begonnen (Ziel: Entwicklungsstufe S2e). Die Leitlinienentwicklung wird von der deutschen Kinderkrebsstiftung gefördert. Perspektivisch sollen im Rahmen eines Nachfolgeprojektes eine prospektive Evaluation der  Nachsorgeempfehlungen sowie regelmäßige Aktualisierungen der Leitlinie erfolgen.


Projektgruppe

Denzer C, Ott-Renzer C, Brabant C, Brämswig J, Dörffel W, Dörr H, Hauffa B, Langer T, Muche R, Müller H, Rohrer T, Schnabel D, Vorwerk P, Wabitsch M

Ansprechpartner/Projektbüro

Dr. med. Christian Denzer

Telefon: 0731-500-57401

Email: christian.denzer@uniklinik-ulm.de

 

Links:

http://www.uniklinik-ulm.de/news/article/1119/fortschritt.html